Lawineninfo 3
- Bergrettung OÖ

- vor 2 Tagen
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27. Februar 2026
Der schlimmste Winter seit Jahrzehnten, bitte um Vorsicht!
"Alle Hänge über 30 Grad, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer als sicher galten, sind diesen Winter neu zu bewerten, auch bei Gefahrenstufe 1 und 2"
Bereits 26 Personen sind in dieser Wintersaison in Österreich durch Lawinen ums Leben gekommen.
Wir erleben gerade den schlimmsten Winter seit Jahrzehnten. Der eiskalte Winterbeginn bei nur wenig Schnee hat einen äußerst ungünstigen Schneedeckenaufbau verursacht, es hat den unteren Teil der Schneedecke zu labilen großen Körnern umgewandelt. Sogar für erfahrene Alpinisten ist es im Moment schwer, die Gefahrenstellen zu erkennen.
Alle Hänge über 30 Grad, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer als sicher galten, sind diesen Winter neu zu bewerten. Die tückisch verborgenen Altschneeschichten bleiben uns leider den ganzen Winter erhalten und erfordern angepasstes defensives Verhalten! Auch bei Gefahrestufe 1 und 2!!! Eine Beschränkung von Touren und Freeriden auf 30° Hängen würde die Gefahr einer Lawinenauslösung um mehr als 90 % reduzieren. Sehr zu empfehlen ist auch einmal in die Schneedecke hineinzugraben, um sich selbst ein Bild von der tückischen Lage zu machen.
Lawinenintensive Zeit:
Di. 18.2.26 wurden 33 Lawinenabgänge in Tirol nur an einem Tag gemeldet.Am Fr. 20.2.26 waren es in ganz Österreich 32. Und letztes Wochenende, vom 20. bis 22.2.26 waren 450 Bergretter bei 40 Lawinenabgängen im Einsatz! Von den 26 Lawinentoten in Ö waren 15 Variantenfahrer, 10 Tourengeher und 1 Wanderer
Kasberg Dienstagabend, nach Liftschluß, am 24.2.26


Neben dem Kasberg-Schigebiet ist im freiem Schiraum am Weg Richtung Kasberggipfel, ein großes Schneebrett abgegangen. 2 Personen der Lawinenkommission waren nach Betriebsschluß dort mit Normabstand im Anrissbereich unterwegs, um den Hang zu sprengen, weil dieser auch die Piste erreichen könnte. Sie befanden sich gerade bei der Querung, knapp unter den Latschen auf einer Höhe von 1540 m, als sich das Brett löste uns sie etwa 50 m weit mitriss und teilverschüttet.
Ursache: Altschneeproblem vom Frühwinter. Glück gehabt.
Das geschah am Ende des niederschlagsreichen Tages, der etwa 20 cm Neuschnee ergab, im Toten Gebirge fielen am Dienstag allein bis zu 50 cm. Zum Ende des Schneefalls war nur mehr wenig Wind.
Das Altschneeproblem liegt also nicht nur oberhalb der Waldgrenze, sondern auch noch bis zu 200 oder 300 Höhenmeter niedriger.



Hirscheck am 26.2.26
Auch am Hirscheck ist am 25. abends oder 26. vormittags ein mächtiges Brett abgegangen. Anrissdicke zwischen 1 und 2 m! Am 26.2. gegen mittags kamen 2 Tourengeher von unten und 2 weitere von oben her zum Hang. Der Anrissbereich liegt auf etwa 2000 m, der Auslauf auf ca. 1700 m.
Ursache: Altschneeproblem vom Frühwinter.



Almkogel 26.2.26
Am Almkogel (zwischen Salzsteigjoch und Hirscheck) ist zwischen Mi. 25. oder Do. 26. vormittags ebenfalls ein riesiges Brett am SO-Hang, also auf die steirische Seite Richtung Grimmingboden abgegangen. Die Latschen und der sichtbare Untergrund weist auch hier an den Ost bis Süd ausgerichteten Hängen auf ein Altschneeproblem hin.
Seehöhe 1600 - 2000 m

Schaun wir noch etwas zurück:
am 17.2. ist gleich am Beginn dieses letzten Niederschlagereignisses, bei einem kurzem Zwischenhoch, ein mächtiges Schneebrett im Frauenkar vom Wiederlechnerstein bzw. Warscheneck abgegangen. Anrisshöhe ca. 1 m. Spontanlawine.


"Die tückisch verborgenen Altschneeschichten bleiben uns leider den ganzen Winter erhalten und erfordern angepasstes defensives Verhalten! Auch bei Gefahrenstufe 1 und 2! "
Unter Mitwirkung von Robert Kniewasser, Raphael Trautwein, Lukas Trinkl, Tobias Perner und Fabian Ömmer.
Lawinenreferent der Bergrettung OÖ
Heli Steinmassl



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