• Bergrettung OÖ

Lawineninfo 1/2022

Kl. Pyhrgas, 26.1.22

aufgenommen von Heli Steinmassl am 26.1.22


Mächtiges Ding, Selbstauslösung, Eiskar. 1850m, 37 Grad, Ostsüdost.

Kein Neuschnee auf Ablagerung und Gleitfläche, dadurch vermutlich am Montag 24.1.22 (zwischen früh morgens und Vormittag) abgegangen.


Gesamtschneedicke (nicht die Höhe!) 410cm, 2 Anrissebenen, Anriss auf 170 und 210cm (vom Boden herauf gemessen).


Spannenderweise liegt die Gleitschicht unter der festen Harschkruste. Diese Harschkruste ist mit abgegangen! Wenn nun die Gleitebene unter dem Harschdeckel ist, kommt logischerweise nur Schwimmschnee als Ursache in Frage, Graupel oder eingelagerter Triebschnee scheiden aus, die hätten sich schon längst stabilisiert. Durch den Druck des mächtigen Triebschneepaketes ist die Schwachschicht auf 1-2mm zusammengepresst und war an dieser Stelle nicht mehr leicht auszulösen.


Überblick Eiskar


Links gelb ist ein, während des Niederschlages abgegangenes und zT wieder eingeschneites Schneebrett, rechts das am Montag 24.1.22 abgegangene riesige Ding mit bis zu 180m Breite, 220m Höhenunterschied und 350m Länge.

Es ist zu vermuten, dass es in der Region noch Bereiche gibt, wo die Gefahr noch lauert, durch die Mächtigkeit sprechen diese vermutlich nur durch große Zusatzbelastung an. Auch am Gr.Pyhrgas / BadHallerSteig, Ostnordosthang, ist ein ähnlich gewaltiges Brett auf etwa gleicher Höhe abgegangen. Vermutlich gleiche Zeit und gleiche Ursache.


Zwischen 5. und 14.1. und 16. und 18.1. hatten wir jeweils eine Kaltphase. Höchstwahrscheinlich war es die zweite, die innerhalb 3 Tagen den Schnee unter der Harschkruste negativ umwandelte.


Gr. Pyhrgas am 27.1.22

aufgenommen von Robert Kniewasser


Facts:

- vermutlich Triebschneeproblem

- Größe: ca. 250m Anrissbreite und 500m Länge!!!

- Höhe Anriss maximal: 180cm lotrecht

- Steilheit Anrissbereiche durchschnittlich 40°

- Gleitfläche: Altschneedecke vom 12.-16. Jänner (Schönwetterperiode) - harte Kruste (Härte 5)

- Darüberliegendes Neuschneepaket vom 17.& 18. wurde komplett mitgerissen

- Keine aufbauende Umwandlung unter oder ober der Kruste gefunden (an 2 Stellen gesucht)

- Stabilitätstest 50 m oberhalb des Hauptanrisses (ECT30N) und Kleiner Blocktest (starkes Klopfen - kein Bruch)


Ein wirklich gigantisches Brett mit enormer Ablagerung bis auf den Gegenhang.

Habe nichts kantiges lokalisieren können. Falls sich Zwischenreif gebildet hat, ist dieser so tief in der Schneedecke, dass er wahrscheinlich nicht mehr angesprochen werden kann.



Rissbildung


Zur Info: Kleiner Priel Ost (Einfahrt Stücklerkar) dürfte auch ein Brett abgegangen sein.


Keine Wechten am Gr. Priel

Am Gr. Priel sind am Gipfelgrat trotz des starken Windes während des letzten Schneefalls, keine Wechten gebildet worden. Da war vermutlich zu viel Graupelanteil.


Auf dem Neuschnee, auf den Felsen und Latschen hat sich eine dünne Eiskruste ab 1400m Höhe, nach oben dicker werdend, gebildet. Muss am Ende der Niederschlages, in der Nacht von Sonntag auf Montag, durch Eisregen entstanden sein. Die Temperaturkurven der Messstationen zeichneten jedoch keine Erwärmung auf.


Die Karten werden wieder neu gemischt:

Die Prognose für die nächsten 6 Tage - bis zu einem Meter Neuschnee! Und das bei stürmischen Winden, das Triebschneeproblem gibt es einmal mehr wieder zu beachten. (Bergfex-Schneevorhersage)




Robert Kniewasser staatlich gepr. Berg+Schiführer

+43-664-9381966

rkniewasser@petzl.com


Heli Steinmaßl staatlich gepr. Berg+Schiführer Mobil: 0664/9251251 Mail: heli.steinmassl@aon.at