Nächtlicher Einsatz am Traunstein

16.09.2019

In der Finsternis den Wegverlauf verloren – dritte Nachtbergung seit Ende Juli

 

Es ist immer dasselbe Muster: Viel zu spät und ohne Taschenlampe im Rucksack wird mit dem Abstieg vom Traunstein begonnen. Die Folge ist, dass die Traunsteinbesteiger zu dieser Jahreszeit mit jedem Schritt talwärts der Dunkelheit entgegen gehen und bei der geringsten Verzögerung in die totale Finsternis geraten.

So erging es auch dem 64-jährigen ÖBB Pensionisten Wilhelm St. aus Rohr im Kremstal, der gestern kurz vor 21 Uhr mit seinem Handy einen Notruf vom Traunstein abgesetzt hat.

Er hat in der Finsternis den Wegverlauf des Naturfreundesteiges nicht mehr gesehen, weil, wie er sagte, die Dunkelheit durch die Wolken eines aufziehenden Gewitters schneller als erwartet hereinbrach. Bis zum letztmöglichen Zeitpunkt hat er sich noch an den Sicherungsseilen orientieren können, aber als eine „seillose“ Steigpassage folgte, war es mit der Orientierung in der Finsternis zu Ende, so die Schilderung des Kremstalers beim Eintreffen der Gmundner Bergretter.

Diese begannen kurz nach 21 Uhr mit dem Aufstieg auf den Traunstein und trafen den Festsitzenden in einer Seehöhe von rund 600 Metern unverletzt an. Angeseilt und auf dem mit Stirnlampen hell ausgeleuchteten Naturfreundesteig konnte der in Bergnot geratene und schon etwas entkräftete Kremstaler in Begleitung der Bergretter selbst noch bis zur Lainautalstraße absteigen.

Gerade rechtzeitig, denn kurz nach Eintreffen der Bergretter in der Einsatzzentrale brach ein heftiges Gewitter mit Starkregen über die Traunseelandschaft herein.

Eigentlich begann der Pensionist an diesem Tag vieles zu spät: Mit dem Aufstieg begann er erst gegen 11 Uhr und er wählte den Südwestgrat, eine Klettertour im dritten Schwierigkeitsgrad, als Anstiegsvariante. Weil er nach Bewältigung des Südwestgrates, der ab Bergmitte in den Naturfreundesteig mündet, aber noch nicht in das Tal absteigen und den sonnigen Tag noch ausnutzen wollte, stieg er weiter bergwärts und erreichte gegen 17 Uhr das Traunsteinhaus der Naturfreunde.

Nach einer kurzen Einkehr machte er sich über den Naturfreundesteig wieder an den Abstieg und unterschätzte dabei sein eigenes Leistungsvermögen. Viel zu langsam kam er dem Tale näher, so dass ihn die Dunkelheit überraschte und er auf den letzten 150 Höhenmetern auf fremde Hilfe angewiesen war.

In diesem Zusammenhang appelliert die Bergrettung zum wiederholten Male, dass mit Sommerende und Herbstbeginn die Tage kürzer werden und Dämmerung, Dunkelheit und totale Finsternis schneller herein brechen, als an Tagen vor der Sommersonnenwende.

Bei der Wahl des Abstiegszeitpunktes ist dies zu berücksichtigen. Und eine Taschen- oder Stirnlampe gehört ohnehin in den Rucksack, ebenso eine wärmende Überbekleidung.

 

 

 

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