Akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Gebirge

10.08.2018

Wenn sich in Österreich der Sommer von seiner wärmsten Seite zeigt und in Europa neue Hitzerekorde eingestellt werden, ist auch im Bergsport Hochsaison. Das ist für uns ein guter Anlass, Notfälle, die bei solcher Wetterlage in den Bergen auftreten können, in Erinnerung zu rufen.

Allen voran sind dies Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von hitzebedingten Erschöpfungszuständen.

Generell gilt: Um das Risiko für etwaige Notfälle gering zu halten, sind eine gute Tourenplanung und realistische Selbsteinschätzung wichtig:

  • Im Zweifelsfall lieber eine kürzere Tour wählen. Längere Pausen und ein größerer Sicherheitspolster tragen auch entscheidend zu einem gelungenen Bergerlebnis bei.

  • Nicht nur, um vor den Wärmegewittern am Nachmittag wieder retour zu sein, sondern auch, um die kühlen Morgenstunden zu nützen, sollte zeitig aufgebrochen werden. Wenn vermeidbar, sollten die heißen Mittagsstunden nicht in der prallen Sonne verbracht werden, Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor nicht vergessen!

  • Personen mit vorerkranktem Herz-Kreislauf-System (Bluthochdruck, vorangegangener Herzinfarkt etc.) sollten sich beim Hausarzt oder Internisten beraten lassen, um die eigenen Leistungsgrenzen besser einschätzen zu können: Die empfohlene Mitnahme von Notfallmedikamenten, maximale Marschzeit, steile Anstiege aber auch die maximal empfohlene Meereshöhe sollten hier angesprochen werden.

 

Akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeichnen sich zumeist durch das Leitsymptom Brustschmerz aus. Dieser kann ein Druck- oder Engegefühl im Brustkorb sein oder als stechender Schmerz imponieren, der in den (meist linken) Arm, die Magengrube oder den Rücken ausstrahlt. Da das Herz, die Lunge und der Blutkreislauf funktionell in sehr engem Zusammenhang stehen, betreffen die weiteren Symptome typischerweise die Atmung und den Blutdruck: Leistungsabfall, Atemnot, hoher Puls, zu hoher oder zu niedriger Blutdruck und Hautblässe, dazu oftmals ein Angstgefühl.

Hier gilt es, rasch zu handeln:

  • Treten solcherart Beschwerden auf, sollte rasch im Schatten Schutz gesucht werden und eine angenehme Position, meist mit erhöhtem Oberkörper, eingenommen werden. Beengende Kleidung, Rucksack oder Klettergurt sollten geöffnet oder abgelegt werden.

  • So oft so eine Situation bei hohen Außentemperaturen auftritt, ist dennoch einem Auskühlen durch die beeinträchtigte Blutzirkulation entgegenzuwirken (Jacke, Rettungsdecke etc.).

  • Im Falle von mitgebrachten, ärztlich verschriebenen Notfallmedikamenten sollten diese eingenommen werden.

  • Mit den oben genannten Symptomen wird von einem Weitergehen abgeraten, ein Notruf über 140 ist abzusetzen!

Im Falle eines Herz-Kreislaufstillstandes sind durch die anwesenden Bergsteiger lebensrettende Sofortmaßnahmen einzuleiten, das heißt: Herzmassage und Beatmung im Verhältnis 30:2 nach vorangegangenem Hilferuf bis zum Eintreffen der Rettungskräfte!

 

Erschöpfungszustände, die rein durch Hitze und unzureichende Energie- und Flüssigkeitszufuhr bedingt sind, treten als Kreislaufschwäche ohne Brustschmerz auf. Hauptmerkmale sind Kraftlosigkeit, Erschöpfung mit Kollapsgefühl und Konzentrationsstörungen. Gefährlich sind dabei die gestörte Trittsicherheit und Kollapsneigung, die im Gebirge auch die Absturzgefahr erhöhen.

Bei Erschöpfung und drohendem Kollaps:

  • Rasten. Hinsetzen oder -legen, ev. Beine hochlagern

  • Energie- und Flüssigkeitszufuhr (Traubenzucker, Energieriegel, isotonische Getränke)

  • Wärmeverlust vermeiden (Jacke, Rettungsdecke etc.) – auch hier wird die Überhitzung rasch in ein Kältegefühl umschlagen.

  • Sollte durch diese Maßnahmen keine rasche Besserung eintreten und ein Weiterkommen nicht möglich sein, ist unverzüglich ein Notruf über 140 abzusetzen!

Im Fall eines Kreislaufkollaps ist der Erkrankte durch die anwesenden Bergsteiger in die stabile Seitenlage zu bringen und bis zum Eintreffen der Rettungskräfte zu beobachten!

 

Dr. Tobias Huber

 

 

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